Ob aus Naturschutzgründen, wegen Schonmaß oder einfach aus persönlicher Überzeugung: Wer einen Fisch zurücksetzt, trägt Verantwortung dafür, dass er das auch unbeschadet überlebt. Schlechtes Handling macht aus einem gut gemeinten Zurücksetzen oft ein verzögertes Sterben.
In diesem Guide zeige ich dir, mit welcher Ausrüstung, welchem Handling und welcher Wiederbelebungstechnik du die Überlebenschancen eines zurückgesetzten Fisches deutlich erhöhst – und was du zur Rechtslage in Österreich unbedingt vorher klären solltest.
1. Rechtslage in Österreich: Vorher informieren
Catch & Release ist in Österreich kein einheitlich geregeltes Thema. Die Landesfischereigesetze und vor allem die Gewässerordnungen der einzelnen Bewirtschafter unterscheiden sich teils erheblich:
- In manchen Revieren ist die Entnahme eines fangfähigen Fisches vorgeschrieben (kein "Selektionsfischen")
- In anderen Gewässern – etwa reinen Fliegenfischer-Strecken – ist gezieltes Zurücksetzen Standard oder sogar Pflicht
- Bei Fischen unterhalb des Mindestmaßes oder innerhalb der Schonzeit ist das Zurücksetzen ohnehin gesetzlich vorgeschrieben
Da sich diese Regeln je Bundesland und Gewässer unterscheiden und ändern können, verweisen wir hier bewusst nicht auf feste Paragraphen. Informiere dich vor dem Angeln immer bei deinem Fischereiverein, dem Bewirtschafter oder der zuständigen Landesfischereibehörde, welche Regeln an deinem Gewässer gelten. Details zu Mindestmaßen und Schonzeiten findest du zusätzlich in unserer Schonzeiten-Übersicht.
2. Die richtige Ausrüstung für schonendes Zurücksetzen
- Knotenloser Kescher (Gummi- oder Silikonnetz): Herkömmliche Knotennetze scheuern Schleimhaut und Schuppen ab, knotenlose Netze schonen die Fischhaut deutlich
- Lösezange oder Forceps: Ermöglicht das Lösen des Hakens ohne den Fisch lange in der Hand zu halten
- Widerhakenlose oder abgeknipste Haken: Lassen sich deutlich schneller und schonender lösen als Haken mit Widerhaken
- Feuchtes Handtuch oder nasse Hände: Trockene Hände oder trockener Untergrund entfernen die Schutzschicht auf der Fischhaut
3. Handling: So schonst du den Fisch beim Landen und Fotografieren
- Drillzeit kurz halten – ein zu langer Drill erschöpft den Fisch und senkt seine Überlebenschance zusätzlich zur Zeit außerhalb des Wassers
- Hände immer anfeuchten, bevor du den Fisch berührst
- Nie an den Kiemen greifen – sie sind hochempfindlich und lebensnotwendig für die Atmung
- Haken möglichst im Wasser lösen, ohne den Fisch überhaupt herauszuheben
- Für ein Foto: maximal 10-15 Sekunden außerhalb des Wassers, Fisch waagrecht und nah über der Wasseroberfläche halten
„Ein Fisch, der nach dem Zurücksetzen sofort kraftvoll abtaucht, hat gute Chancen. Einer, der seitlich an der Oberfläche treibt, braucht deine Hilfe – und zwar sofort." – Grundregel jeder schonenden Fangpraxis.
4. Wiederbelebung im Wasser
Erschöpfte Fische brauchen oft aktive Unterstützung, bevor sie eigenständig wegschwimmen können:
- Fisch aufrecht mit beiden Händen im Wasser halten – eine Hand vor der Schwanzflosse, eine unter dem Bauch
- Den Fisch leicht gegen die Strömung ausrichten, falls vorhanden – das Wasser fließt so automatisch über die Kiemen
- In stillem Wasser den Fisch sanft vor und zurück bewegen, um Wasserfluss über die Kiemen zu erzeugen
- Erst loslassen, wenn der Fisch kräftig gegen deinen Griff drückt und aus eigener Kraft aufrecht bleibt
- Beobachte, ob er zielgerichtet wegschwimmt statt seitlich zu treiben
5. Häufige Fehler beim Zurücksetzen
Fehler 1: Fisch von zu großer Höhe zurückwerfen
Ein Fisch, der aus der Hand ins Wasser fällt, kann sich beim Aufprall verletzen. Immer nah an der Wasseroberfläche und sanft absetzen.
Fehler 2: Zu lange Fotosession
Ein perfektes Foto ist nicht so wichtig wie das Überleben des Fisches. Kamera vorher bereit haben, Fisch schnell zeigen, sofort zurück ins Wasser.
Fehler 3: Fisch auf trockenem Untergrund ablegen
Gras, Steine oder trockene Bootsböden entfernen die schützende Schleimschicht und erhöhen das Infektionsrisiko. Immer über Wasser oder auf feuchtem Untergrund handeln.
Fehler 4: Erschöpften Fisch sofort loslassen
Ein Fisch, der sich nicht sofort aufrecht halten kann, braucht aktive Wiederbelebung. Einfach loszulassen und zu hoffen ist keine Option.
Fazit
Catch & Release ist mehr als "Fisch zurückwerfen" – richtig durchgeführt, ist es eine Frage von Ausrüstung, Zeit und Ruhe. Mit knotenlosem Kescher, kurzer Drillzeit, nassen Händen und maximal 10-15 Sekunden außerhalb des Wassers gibst du dem Fisch die beste Überlebenschance.
Merke dir das Wichtigste:
- Informiere dich vorher über die Regeln an deinem Gewässer
- Haken möglichst im Wasser lösen, nie an den Kiemen greifen
- Maximal 10-15 Sekunden außerhalb des Wassers
- Erschöpfte Fische aktiv wiederbeleben, bis sie eigenständig wegschwimmen
FAQ – Deine Fragen beantwortet
F: Ist Catch & Release in Österreich erlaubt?
A: Das hängt vom Bundesland und der Gewässerordnung ab. Manche Landesfischereigesetze verlangen die Entnahme eines fangfähigen Fisches, während in anderen Revieren gezieltes Zurücksetzen ausdrücklich erlaubt oder sogar Standard ist. Informiere dich vor dem Angeln immer bei der zuständigen Fischereibehörde oder deinem Bewirtschafter.
F: Wie lange darf ein Fisch maximal außerhalb des Wassers sein?
A: Als Faustregel gilt: nicht länger, als du selbst die Luft anhalten kannst – realistisch also unter 10-15 Sekunden für Foto und Haken lösen. Je kürzer die Zeit außerhalb des Wassers, desto höher die Überlebenschance.
F: Warum sollte ich Fische nicht an den Kiemen greifen?
A: Die Kiemen sind extrem empfindlich und für die Atmung essenziell. Ein Griff an die Kiemen kann sie dauerhaft verletzen und die Überlebenschance nach dem Zurücksetzen erheblich senken.
F: Wie erkenne ich, ob ein zurückgesetzter Fisch überlebt?
A: Ein erholter Fisch schwimmt aus eigener Kraft aufrecht und zielgerichtet weg, statt seitlich zu treiben oder auf dem Rücken zu liegen. Halte ihn bei Bedarf sanft aufrecht im Wasser und lass ihn erst los, wenn er kräftig gegen deinen Griff drückt.